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Said: “HAQ“ live, mit Brenk Sinatra und AOB

20. November 2018 von

© Said

Said geht auf HAQ-Tour. Mit Brenk Sinatra und Support von AOB. Was erwartet Dich dort? Das Releasekonzert im Juni gab einen kleinen Ausblick darauf, einen Eindruck von der Show erhältst Du hier in meiner Konzert-Review.

Ich habe schon eine Weile auf ein neues Abum gewartet und entsprechend neugierig bin ich auf das Konzert, wie das neue Werk „HAQ“ so ist und wie es live wirkt. Said hat eine starke Bühnenpräsenz, weshalb ich ihn die letzten Jahre konzerttechnisch im Auge behielt und ich bin gespannt, was sich seit seinem letzten Longplayer „Hoodrich“ bzw. dem Kollabo-Album „50/50“ mit AchtVier bei ihm getan hat.

Eigentlich bin ich recht müde, als ich an jenem sommerlichen Freitagabend im Juni zur Show aufbreche, doch freue ich mich schon seit Wochen darauf und mache mich entschlossen auf den Weg. Nach einer langen, nicht ganz freiwilligen Konzertabstinenz fühle ich mich etwas erschlagen, nachdem ich das Musik und Frieden betrete: Stickig und heiß ist es, Ventilatoren wälzen die Luft auch nur um, und kurz überlege ich, ob man nicht in so einen Club Sauerstoff pumpen kann. Oder einen Pool voller Eiswürfel. Die mässig kalte Cola kühlt jedenfalls nicht wirklich ab und kurze Zeit wünsche ich mich zurück auf eine sommerliche Wiese am Kanal oder ähnlichem. Warum nochmal hatte ich Konzerte so vermisst? Es ist plötzlich nicht mehr nachvollziehbar – doch das wird sich im Laufe des Abends noch ändern.

  • Vorprogramm: Brenk SinatraAOB

Meine Allüren lösen sich recht schnell auf, nachdem erst Brenk Sinatra ein nices und gut tanzbares Set auflegte und anschließend die sympathischen Army of Brothers, kurz AOB, die Bühne betraten – Respekt an dieser Stelle an die Artists, denen unter diesen Bedingungen der Atem auf der kleinen Bühne nicht nur nicht ausgeht, sondern die dabei auch sehr viel Spaß haben. Es ist gute zwei Jahre her, dass ich die Crew zuletzt live sah und eine Weiterentwicklung seitdem ist deutlich, was mich freut. Auch haben AOB inzwischen einige Songs mehr auf Lager, der Ablauf ist stimmig, die Textsicherheit ein-, zwei-, dreimal zwar ein bisschen holprig – doch das verzeihen die Crowd und ich ganz leicht, da das Ganze mit viel Charme und Witz kaschiert wird und natürlich hat man auch Verständnis, denn auch Künstler sind nur Menschen, die mit der Erfahrung wachsen. Und sind wir doch ehrlich: Textstolpereien passieren im Rap jedem mal und wecken Sympathien für die Artists – nobody’s perfect. Das Feeling stimmt bei AOB, das Team schafft es ihre Lebensfreude auf die Crowd zu übertragen, und sowas ist mir persönlich tatsächlich bei einem Konzert viel wichtiger als eine 100% perfekte, aber klinische Präsentation. Nach AOBs Auftritt ist die Menge im MuF schließlich auch mental aufgeheizt.

  • Mainact: Said

Kein Konzert ohne dies: „Hoodrich“-Sprechchöre empfangen Said. Relativ selbstbewusst betritt er die Stage, vom Lampenfieber ist kaum etwas zu bemerken. Souverän, stilsicher, textsicher, mit Kraft auf der Lunge und Leidenschaft führt er uns durch den Abend. Man merkt ihm seine Erfahrung der letzten Jahre an, er ist noch selbstsicherer als z. B. bei seiner Releaseshow zu seinem letzten Longplayer „Hoodrich“ (welche, nebenbei bemerkt, für mich immer noch legendär ist). Said wirkt zufrieden, scheint in sich zu ruhen und angekommen zu sein: in seiner Musik und auf der Bühne. Seine Setlist besteht natürlich aus den neuen Songs von HAQ, aber auch die obligatorischen Hits haben zur Freude der Crowd Einzug erhalten. Die Übergänge zwischen den Songs sind flüssig, die Zusammenstellung der Tracks ist harmonisch. Trotz der Hitze im Klub schafft er es die Crowd zu mobilisieren, die Stimmung ist großartig und übrigens untereinander auch sehr freundlich. Wir sitzen alle im gleichen Boot, „Hoodrich, Hoodrich.

„Ihr seid alle wegen mir hier.“

Brenk an den Turntables macht sein Ding perfekt, viele kleine Blickkontakte zwischen ihm und den Rappern zeugen von einer flüssigen Kommunikation, die Chemie stimmt. AOB als Backups sind in harmonischer Symbiose mit Said, darüber hinaus genießt er auch ganz offensichtlich die Gesellschaft der Jungs. Said ist ein geselliger Typ, so wirkt es. Bühnengäste wie BRKN oder AchtVier werden herzlich mit einer Umarmung empfangen, auf der Bühne lächeln sich alle Beteiligten an und die kleinen Zwischengespräche hinterlassen den Eindruck, dass alle auftretenden Künstler eine echte freundschaftliche Bindung zueinander haben und es hier nicht nur um geschäftliche Interessen geht. Es ist schön, so viel unaffektierte Zwischenmenschlichkeit zu erleben.

Noch ein paar Worte zu den Veranstaltern Flomo: Der Abend war perfekt organisiert, ohne steril daher zu kommen, entspannt und dennoch On-Point. Wenn man die Gesichter hinter dem Namen kennt, dann konnte man auch beobachten, wie die Veranstalter ungestresst und gut gelaunt durchs Event wirbelten, stets präsent und immer zur rechten Zeit am rechten Ort waren. Props!

  • Fazit:

Dynamisch, witzig, authentisch, persönlich, ohne Schnickschnack. Ein bisschen Zeit darf man mitbringen, denn Saids Konzerte beginnen eher entspannt mit nicht zu knappem Vorprogramm und wenn er auf der Bühne steht, dann geht er da auch nicht so schnell wieder runter. Wer Wert auf ausgefeilte Tanzchoreografien, psychedelische Lightshows und ein künstlerisch-wertvolles Bühnenbild (Anm. 22.11.18: immer für eine Überraschung gut, denn wie ich nun gesehen habe, gibt es auf der aktuellen HAQ-Tour tatsächlich ein recht ansehnliches Bühnenbild) legt, ist hier nicht ganz richtig. Auch Autotune-/ Trap-/ Dirty-South-Fans werden nicht fündig. Alle anderen erwartet ein echt stimmungsvoller Abend mit satten Bässen und Rappern, die einem ihre Texte und Skills wortwörtlich um die Ohren ballern.

 

  • Tourdates
21.11.18: Erfurt (abgesagt)
22.11.18: Köln
23.11.18: Essen
25.11.18: Leipzig
05.12.18: Dresden
06.12.18: Bremen
07.12.18: Münster
08.12.18: Hamburg
09.12.18: Rostock
12.12.18: München
14.12.18: Frankfurt
15.12.18: Saarbrücken
16.12.18: Stuttgart
21.12.18: Berlin
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20. November 2018

1 Kommentar

  1. Carmen23. November 2018 - 10:54Uhr

    Wegen Said und seiner Musik habe ich mich in deutschrap verliebt (bin Ambasador fur deutschen Hiphop in Slowenien). Als Kunstlerin (organisator, prodzent, dj, promotor) mit 25 Jahren Erfahrung kann ich glatt sagen Said ist Klasse für sich selbst – als Kunstler und Mensch, one in a million. Er versteht und lebt Qualitat Und seine Jungs, AOB, sind die herzlichsten deutschen Rapper. Wunsche Bestes 🍀💚

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